Donnerstag, 5. Mai 2022

"Mehr oder weniger nebenwirkungsfrei"

Professor Harald Matthes von der Charité Berlin leitet eine Studie mit bislang rund 40.000 Teilnehmer*innen zu den Nebenwirkungen der Corona-Impfungen. Das bisherige Ergebnis ist für viele sicher überraschend.

In aller Kürze:

  • Die Zahl schwerer Komplikationen nach Impfungen gegen Sars-CoV-2 ist 40 Mal höher, als es durch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bislang erfasst wurde.
  • 8 von 1.000 Geimpften kämpfen mit schweren Nebenwirkungen (als "schwere Nebenwirkungen gelten Symptome, die über Wochen oder Monate anhalten und medizinische Behandlung erfordern."). Nicht enthalten sind hier die Todesfälle, die durch die Impfung verursacht wurden
  • "Angesichts von etwa einer halben Million Fällen mit schweren Nebenwirkungen nach Covid-Impfungen in Deutschland, müssen wir Ärzte tätig werden", betont Prof. Matthes, der neben seiner Tätigkeit an der Berliner Charité, im Vorstand mehrerer medizinischer Fachgesellschaften ist und seit Jahren die Wirkung von Arzneimitteln systematisch untersucht. "Wir müssen zu Therapieangeboten kommen, auf Kongressen und in der Öffentlichkeit offen darüber diskutieren, ohne dass wir als Impfgegner gelten."

Kam das aus heiterem Himmel? Mitnichten: "Die Zahl ist nicht überraschend", erläutert Prof. Dr. Harald Matthes, Leiter der Studie: "Sie entspricht dem, was man aus anderen Ländern, wie Schweden, Israel oder Kanada kennt. Übrigens hatten selbst die Hersteller der Impfstoffe in ihren Studien bereits ähnliche Werte ermittelt." Bei herkömmlichen Impfstoffen, wie etwa gegen Polio oder Masern, sei die Zahl schwerer Nebenwirkungen deutlich geringer.

Schon 1964 formulierte übrigens der Pharmologe Gustav Kuschinsky: „Wenn behauptet wird, dass eine Substanz keine Nebenwirkung zeigt, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkung hat.“ Man muss aber weder Pharmazie noch Medizin studiert haben, um die Aussage "Keine Wirkung ohne Nebenwirkung" zu kennen.

Aber wie sprach unser Corona-Minister? Wie bezeichnete er die Impfungen immer? Als "mehr oder weniger nebenwirkungsfrei". Immer wieder. Per Twitter. Per Interview. In Talkshows - siehe dieses Beispiel vom 13.02.2022 bei "Anne Will". Wer etwas anderes behauptete, war "ein Opfer der schäbigen Desinformationen in den sozialen Medien".

"Die meisten, auch schweren Nebenwirkungen, klingen nach drei bis sechs Monaten ab, 80 Prozent heilen aus. Aber es gibt auch leider welche, die deutlich länger anhalten", berichtet Professor Matthes.

Bitter für die betroffenen Menschen ist auch, dass sie im Gegensatz zu "Long Covid"-Geschädigten oftmals nicht einmal ernst genommen wurden und werden. So würden niedergelassene Ärzte entsprechende Symptome zu oft nicht mit den Impfungen in Verbindung bringen. Entweder seien sie nicht darauf vorbereitet oder wollten sich „in einer aufgeheizten politischen Stimmung nicht positionieren“. 

Geht es mir darum, die Impfung zu verteufeln? Nein, ganz sicher nicht. Ich bin geboostert. Die Impfung bewahrt(e) unzählige Menschen vor dem Tod. Aber ich bin für Ehrlichkeit und Transparenz. Um abwägen zu können, ob man sich (z.B. als 30-Jähriger ohne Vorerkrankungen) impfen lassen sollte oder nicht, muss man alle Vor- und Nachteile kennen. Über die Vorteile wurde rund um die Uhr auf allen Kanälen berichtet. Über die Nachteile weder so zahlreich, noch so deutlich wie in der Charité-Studie. Ich halte es daher für unseriös und menschlich zutiefst schäbig, Menschen zu belügen, nur weil man eine fragwürdige Impfpflicht durchsetzen will.

Als "Mann der Wissenschaft" sollte man ehrlicher, differenzierter und klarer in seinen Aussagen sein, als es Lauterbach zum wiederholten Male war.

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6. Mai Update:
Mittlerweile hat sich die Charité über einen Sprecher von Matthes' Auswertung distanziert: "Bei dieser Untersuchung handelt es sich um eine offene Internetumfrage, im engeren Sinne also nicht um eine wissenschaftliche Studie. Diese Datenbasis ist nicht geeignet, um konkrete Schlussfolgerungen über Häufigkeiten in der Gesamtbevölkerung zu ziehen und verallgemeinernd zu interpretieren."
Im Telefonat mit ZEIT ONLINE räumt Matthes Limitationen seiner Studie ein. Ungeachtet der methodischen Mängel bleibt er jedoch bei der Behauptung, dass es in Deutschland eine deutliche Untererfassung an Impfnebenwirkungen gebe.

20. Juli Update:
Das Paul-Ehrlich-Institut berichtet bei 0,02% aller Geimpften pro Spritze von "schwerwiegenden Impfnebenwirkungen-Verdachtsfällen" - das entspricht 1:5000 pro Spritze. Wer sich also 3 mal impfen ließ, verdreifachte das Risiko. Nach der üblichen Nomenklatur für Angaben zur Häufigkeit von Nebenwirkungen entspricht das "selten", aber keinesfalls "sehr selten" oder gar "nicht bekannt" bzw. "nebenwirkungsfrei". Das musste mittlerweile sogar Karl Lauterbach zugeben (hat mal jemand gezählt, wie oft er schon zurückrudern musste? Ich verliere langsam die Übersicht). 

Und immer mehr Leitmedien berichten ebenfalls über das Post-Vac-Syndrom (anbei eine kleine Link-Auswahl):

6. Oktober Update:
Nach Dänemark empfiehlt nun auch Schweden keine Impfung für gesunde unter-18-Jährige mehr - sondern nur noch für Risikopatienten aus dieser Altersgruppe



Dienstag, 19. April 2022

"Karl gegen die Killervariante" - demnächst im Kino!

Wirklich schade, dass unser monothematischer Corona-Minister mittlerweile zu seiner eigenen Karikatur wird. Verwahrte er sich noch am 16.02.2022 gegenüber dem ihm schon oft geäußerten Vorwurf, er sei ein Panikminister, hatte er am Ostersonntag mal wieder nichts Besseres zu tun, als als EU-weit einziger Schreier seine unsachlichen Weltuntergangsprophezeiungen herauszuposaunen (oder handelt es sich evtl. um den Titel seines nächsten Buchs?). Es sei durchaus möglich, dass man eine hochansteckende Omikron-Variante bekomme, die so tödlich wie Delta sei. Das wäre „eine absolute Killervariante“, sagte Lauterbach wörtlich

Abgesehen davon, dass wir hier nicht von Ebola reden, verlief die Delta-Variante bei 40-50% aller Infizierten symptomlos (aufgrund der Dunkelziffer vieler unerkannter Infektionen ist der reale Wert natürlich höher) und ihre Letalität lag bezogen auf alle Altersgruppen und Impfstatus bei ca. 0,1-0,2% (wegen der o.g. Dunkelziffer also niedriger) - und Geimpfte hatten natürlich ein ca. 90% geringeres Risiko, an ihr zu versterben - unter den dreimal geimpften Personen sank die Sterberate über alle Altersgruppen auf 0,1 Todesfälle pro 100.000 Einwohner). Entsprechend ließen die Reaktionen darauf (u.a. von besonneneren Wissenschaftlern) natürlich nicht lange auf sich warten (unter anderem warfen ihm Virologen "Unwissenschaftlichkeit" vor - peinlicherweise nicht zum ersten Mal übrigens - und selbst aus den eigenen Reihen kommt mittlerweile scharfer Gegenwind) - aber ich hätte Vorschläge, wovor ein seriöser Gesundheitsminister tatsächlich mal warnen sollte:

Es gäbe noch viel mehr aufzuführen, aber ich habe ehrlich gesagt die Hoffnung aufgegeben, dass Lauterbach die Analyse und Deutung etwaiger Corona-Varianten echten Fachleuten - nämlich entsprechend ausgebildeten Virologen wie Schmidt-Chanasit, Drosten und Streeck  (Letztere wurden ja extra in den Corona-Expertenrat der Bundesregierung berufen) - überlässt, er nicht weiterhin von Talkshow zu Talkshow hechelt, quasi rund um die Uhr twittert (und teilweise wirklich haarsträubenden Unsinn von sich gibt) und sich dann auch noch beklagt, dass der Tag zu wenig Stunden habe. Seine mangelhafte Selbstwahrnehmung hat schon pathologische Züge (es sprach Bände, als der wirklich sanfte und freundliche SPIEGEL-Autor Markus Feldenkirchen ihn in einem TV-Beitrag vorsichtig darauf ansprach, ob er nicht etwas zu häufig voreilig Dinge twittere, die sich später als nicht haltbar erwiesen, als einzige von Lauterbach zugegebene "Fehleinschätzung" die unsägliche - und natürlich ebenfalls falsche - Prophezeiung vom 28.10.2021 genannt bekam, dass die bislang Ungeimpften bis März 2022 "geimpft, genesen oder leider verstorben" seien). Feldenkirchens Gesichtsausdruck ist Gold wert, als Lauterbach allen Ernstes sagt: "...bei mir wird ja alles überprüft - das war eine unvorsichtige Aussage, aber das ist die Ausnahme." Stellen Sie sich hier bitte einen Tränen-lachenden Smiley vor.

Ich muss mich wiederholen: In den letzten Jahren gab es nur einen einzigen Politiker, für den ich mehr Faktenchecks fand/las, die seine falschen Aussagen oder Prognosen widerlegten, nämlich Donald Trump. Der ARD-Faktenfinder sah sich bereits im letzten Dezember gezwungen, schon zum 2. Mal einen "Faktencheck zu Lauterbach" zu veröffentlichen. Ich finde das nicht nur recht traurig, es macht mich (und viele in der Gesundheit arbeitende Menschen) auch ziemlich wütend. Als die Tagesschau den 1. Faktencheck veröffentlichte (das war im September 2020), reagierte Lauterbach übrigens wie folgt darauf:

"Nach der Veröffentlichung bedankte sich Karl Lauterbach bei der Redaktion für die konstruktive Kritik. Es sei schwer, auf Twitter immer den richtigen Ton zu treffen, so dass die Menschen einerseits die Botschaft verstünden, andererseits aber die Wissenschaftlichkeit gewahrt bleibe. Er wolle sich in Zukunft noch mehr darum bemühen."

Ich sehe weder das Bemühen, noch den Erfolg.


 


Dienstag, 12. April 2022

Ich lass die Maske fallen

2 Corona-Erkenntnisse sind Konsens unter allen ernstzunehmenden Virolog*innen und sonstigen Expert*innen:
  1. Das SARS-CoV-2-Virus wird nie wieder verschwinden und niemand wird einer Infektion entgehen können (Zitat aus dem verlinkten Interview mit Johannes Knobloch, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf/UKE):
    "Es ist an der Zeit, das Coronavirus bei den Schutzmaßnahmen zu behandeln wie andere Atemwegserkrankungen. Wir alle werden uns mehrmals in unserem Leben damit infizieren, wenn wir uns nicht für immer sehr stark einschränken."

  2. Erst wenn genügend Menschen sich damit (auch mehrfach) infizieren und somit eine Schleimhaut-Immunität entwickelt haben, wird es endemisch - und reiht sich somit bei den bereits seit Jahren bekannten Coronaviren ein, die immer wieder grippale Infekte und Atemwegserkrankungen verursachen
Christian Drosten erwähnte Letzteres bereits vor 7 Monaten - und wiederholte es seitdem mehrfach in diversen Interviews und seinem Corona-Blog:

»Mein Ziel als Virologe Drosten, wie ich jetzt gerne immun werden will, ist: Ich will eine Impfimmunität haben und darauf aufsattelnd will ich dann aber durchaus irgendwann meine erste allgemeine Infektion und die zweite und die dritte haben«, so Drosten. Und weiter: »Und dann weiß ich, bin ich richtig langhaltig belastbar immun und werde nur noch alle paar Jahre überhaupt mal dieses Virus sehen, genau wie ich die anderen Coronaviren auch immer mal wieder sehe.«

Christian Karagiannidis (Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin) bekräftigte das am 16. März 2022 im SPIEGEL: 
"Eine Coronainfektion hilft geimpften Menschen dabei, die Schleimhautimmunität auszubilden! Diese Schleimhautimmunität bekämpft das Virus sofort und ganz früh, noch bevor es überhaupt tiefer in die Atemwege eindringt, sie ist sozusagen die allererste Verteidigungslinie. Diese Schleimhautimmunität brauchen wir, um das Virus nicht permanent weiterzutragen. Und genau diesen Schutz bekommen wir eben durch eine Infektion. Vorausgesetzt, wir sind geimpft."

Natürlich gilt das nicht für Risikopatienten mit schweren Vorerkrankungen, aber wer unter 60, 3-fach geimpft und bei guter Gesundheit ist, hat keinen stichhaltigen Grund mehr, eine Maske zu tragen, denn er wird Covid-19 auf Dauer nicht ausweichen können. Diejenigen, die noch immer "Zero Covid" für eine gute Strategie halten, können ja mal nach China (und speziell Shanghai) schauen, was diese brutale Idee konkret bedeutet. Corona auf Dauer verhindern zu wollen, ist vergleichbar, wie als Ziel auszugeben, nie wieder in Deutschland nassgeregnet zu werden. Das kann man theoretisch natürlich (sogar über ähnliche Wege) erreichen: Entweder nie mehr das Haus verlassen oder aber immer und ohne jegliche Ausnahme einen Schirm dabei haben müssen. Die Frage ist, ob das in der Praxis tatsächlich wünschenswert und durchhaltbar ist.

Ich bin daher sehr überrascht, wie viele meiner Landsleute laut diversen Umfragen trotzdem weiterhin Masken tragen wollen - und hier rede ich wohlgemerkt ausdrücklich nicht von stark immungeschwächten Risikopatienten. Die mussten schon vor Corona bei jedem Zusammentreffen in Innenräumen höllisch aufpassen, für sie ändert sich also dahingehend nichts. Aber warum wollen auch von den anderen fast 70% der Befragten daran festhalten? Die meisten gaben an, dass sie sich vor einer Infektion (also nicht nur mit Corona, sondern auch vor sonstigen Viren) schützen wollen. Ich bezweifle, dass sie das ab jetzt tatsächlich ausnahmslos ihr Leben lang tun werden, lasse mich aber mal überraschen. Wenn man allerdings weiß, dass schon die Infektion mit früheren Corona-Varianten bei ca. 40-80% aller (inkl. ungeimpfter) Infizierten komplett symptomfrei verlief (insgesamt ist dieser Wert natürlich aufgrund der hohen Dunkelziffer unerkannter Infektionen noch viel höher) und das bei der wesentlich milderen Omikron-Variante noch ausgeprägter ist, frage ich mich, woher diese Menschen eigentlich wissen wollen, dass sie nicht schon längst mal infiziert waren? Oder testen sie sich jeden Tag anlassfrei

Woran liegt es eigentlich, dass Deutschland diesbezüglich innerhalb der EU eine solche Außenseiterrolle (alle anderen Länder haben längst entweder komplett oder fast vollständig alle Maßnahmen aufgehoben) einnimmt? Zum Einen sicher daran, dass wir keinen auf Evidenzbasierten Erkenntnissen bauenden Gesundheitsminister haben, sondern leider eben Karl Lauterbach (ich bin aufrichtig überrascht, dass immerhin noch 29 Prozent der Deutschen mit seinem Krisenmanagement »eher zufrieden« oder »zufrieden« und ansonsten 36% grundsätzlich "zufrieden" mit ihm sind), zum anderen aber ganz klar an unseren Medien. Seit Wochen rufe ich regelmäßig die Webseiten der größten Tageszeitungen der Schweiz, Österreichs, der Niederlande und Spaniens (bei den beiden Letztgenannten hilft mir die integrierte Übersetzungsfunktion des Edge-Browsers) auf. Machen Sie das auch einmal und suchen Sie nach Schlagzeilen zu Corona-Inzidenzen. Sie werden sie (wenn überhaupt) nur noch mit der Lupe finden. In Deutschland hingegen wird dieser für sich alleine vollkommen unaussagekräftige Wert weiterhin täglich in Großbuchstaben verkündet. Aussagekräftigere Werte wie den R-Wert (seit Wochen in Deutschland unter 1, aktuell bei 0,81) oder eine echte Hospitalisierungsrate findet man hingegen vergeblich. Stattdessen täglich den kleinlauten Hinweis "In dem Wert erfasst sind auch viele Menschen mit positivem Corona-Test, die eine andere Haupterkrankung haben." Was das konkret bedeutet, kann man (leider nur Stichprobenartig, denn Deutschland ist auch nach 2 Corona-Jahren nicht in der Lage, eine ordentliche Datenerfassung durchzuführen) zum Beispiel hier sehen: Teils bis zu 90% (!) nicht "wegen", sondern "mit" Corona in der Klinik.

Auch die täglich vermeldete Anzahl der "an und mit Corona Verstorbenen" ist eher gruselig, was ihre Ermittlung angeht. Wie es besser geht, zeigt mal wieder Dänemark, das mit nüchternen Fakten der Panik den Zahn zieht. Deswegen kann das dänische Gesundheitsministerium auch vermelden, dass die Mehrheit der Menschen "mit" und nicht etwa "an" Corona stirbt. In Deutschland wissen wir aber immerhin, dass die Sterblichkeit bei Omikron aktuell bei 0,1% liegt (wohlgemerkt über alle Menschen und Altersgruppen hinweg - egal ob geimpft oder ungeimpft - und egal, ob mit oder ohne Vorerkrankungen. Und natürlich ist auch hier der Wert aufgrund der hohen Dunkelziffer unerkannter Infektionen noch viel niedriger. Der Altersmedian aller "an und mit Corona Verstorbenen" liegt übrigens bei 83 Jahren). Dass praktisch jeder, der sich impfen lassen will, das längst hätte tun können, wird dabei immer gerne verschwiegen (knapp 12% der über 60-Jährigen sind noch immer nicht grundimmunisiert). Ebenso, dass selbst 200 "mit Corona Verstorbene" angesichts von täglich 1.000 anderen "vermeidbaren" Todesfällen in Deutschland (von denen 200 durch Tabakkonsum, 300 durch Alkoholmissbrauch und 500 an den Folgen ihrer Fettleibigkeit/falscher Ernährung sterben) nicht als "schlimmer" einzuschätzen sind. Pro Tag sterben in Deutschland im Schnitt übrigens ca. 2700 Menschen.

Letzte Woche war ich für 4 Tage in Amsterdam. Die Niederlande hatten (für die Inzidenz-gläubigen Jünger unter Ihnen) noch am 12. Februar 2022 eine Inzidenz von sage und schreibe 5.108. Am 23. März lag sie immer noch bei 1.805, trotzdem wurden dort an diesem Tag sämtliche Maßnahmen (inkl. der Maskenpflicht in Innenräumen) aufgehoben. Übrigens bei einer schlechteren Impfquote als Deutschland. Auch heute sind in den Niederlanden nur 72,2% vollständig geimpft (in Deutschland 76,1%) und 53,6% geboostert (in Deutschland 59,0%). Das war vor 3 Wochen. Hätten Lauterbachs (und andere) substanzlose Panikprophezeiungen gestimmt, müssten dort längst die Intensivstationen volllaufen und ein großes Massensterben einsetzen. Stattdessen liegt die Inzidenz dort heute bei 434,1 (Tendenz weiter fallend) und gerade mal 86 Corona-Patienten auf den Intensivstationen.

Ich muss zugeben: Am 1. Tag war es für mich fast eine Überwindung, die Maske komplett wegzulassen. Seit ich geboostert bin, gehe ich zwar wieder regelmäßig in Restaurants und Hotels, aber Deutschland hatte ja die ganze Zeit die vollkommen sinnfreie Regelung, dass man bei jedem Aufstehen die Maske aufsetzen musste (denn stundenlanges Sitzen in den Aerosolen der anderen Gäste war natürlich nicht so infektiös, wie der sekundenlange Gang vom Tisch zur Tür, wenn man das Restaurant wieder verlassen wollte). Als ich dann in einer vollkommen überfüllten Kneipe saß (draußen ging gerade ein Platzregen bei stürmisch-kalten 6 Grad runter), die weder über offene Fenster noch über einen Luftfilter verfügte, war ich mir zunächst nicht sicher, ob das nun besonders mutig oder besonders dämlich war. Aber dann besann ich mich auf die ganz oben erwähnten Zitate der Herren Drosten und Karagiannidis und sagte mir: "Wenn Du wieder ein normales Leben (wie früher/vor Corona) führen willst, gehören Infekte nun mal dazu". 

Vor Corona war es für mich (wie für den bundesdeutschen Durchschnitt auch) vollkommen normal, ca. 2 Mal im Jahr an grippalen Infekten zu erkranken, die mich meist für je ca. 5 Tage lahm legten. Wenn ich Pech hatte, kam auch noch ein bakterieller Infekt obendrauf, der dann (manchmal) antibiotisch behandelt werden musste. Und natürlich konnte eine hartnäckige Bronchitis auch mal 3-6 Wochen dauern. Daran musste ich zuletzt denken, wenn mir Bekannte und Kollegen von ihrer durchgemachten Omikron-Infektion erzählten: "Von wegen milder Verlauf! Ich habe fast 3 (oder 5) Tage lang flach gelegen!". Ja, das nennt man trotzdem "mild" - scheinbar haben viele vergessen, wie sich ein normaler grippaler Infekt anfühlt. Ganz zu schweigen von einer echten Virusgruppe/Influenza. Seit ich die einmal hatte und 3 Wochen ans Bett gefesselt war (und die 4. Woche benötigte, um wieder Treppen laufen zu können - und danach noch wochenlang kurzatmig war) lasse ich mich jedes Jahr gegen Grippe impfen. Damit zähle ich übrigens zu einer Minderheit - gerade mal 10% der Deutschen taten dies bis 2019. Und das, obwohl starke Grippewellen wie 2017/2018 ebenso viele Menschen tötete, wie jetzt Corona. nämlich durchschnittlich 5.000 pro Monat, insgesamt über 25.000.

Schon ab dem 2. Restaurant-Besuch fiel es mir leichter, die Maske komplett wegzulassen. Auch beim Shoppen. In Supermärkten hatte die Niederlande während der gesamten letzten 2 Jahre übrigens nur für wenige Wochen eine Maskenpflicht angeordnet. Als ich dort jeweils in den Sommermonaten einkaufen ging, war ich daher oft der Einzige, der eine Maske trug. Trotzdem gingen auch dort die Inzidenzen und Krankenhausbelegungen in jedem Frühjahr genauso deutlich zurück wie in Deutschland. Selbst im 1. Jahr, als es noch gar keine Impfstoffe gab. Daraus hätte man hierzulande also durchaus lernen können, dass Supermärkte (und auch Baumärkte) mit ihren hohen Decken, leicht einzuhaltenden Abständen und generell kurzer Aufenthaltsdauer nie Superspreader-Orte waren, zumal es zu Beginn der Pandemie in deutschen Supermärkten gerade einmal eine Stoffmasken-Pflicht gab. Und obwohl viele Supermarkt-Angestellte diese gerne auch mal unter dem Kinn trugen, war trotz ihrer 8-stündigen Arbeitszeiten nie ein hoher Krankenstand seitens der Betreiber gemeldet worden.

Der Höhepunkt war allerdings, als ich am Samstagabend zusammen mit 16.000 anderen Menschen im Amsterdamer Ziggo Dome ein großartiges Rockkonzert der erfolgreichsten (und von mir innig verehrten) niederländischen Band BLØF besuchte, die dort an 2 Abenden hintereinander ihr 30-jähriges Band-Jubiläum feierte. Um es auf Holländisch zu sagen: Het was geweldig!

Nicht ein einziger Fan trug dort Maske. Auch niemand von der Crew oder dem Personal des Ziggo Dome. Und während man hierzulande immer noch Talkshows ohne Publikum und Kameramänner mit Masken sieht, jubelten und sangen in Amsterdam am Freitag und Samstag insgesamt 32.000 Menschen angstfrei und euphorisch ihre Lebensfreude heraus. Spätestens an diesem Abend ließ ich die Maske komplett fallen und trage sie auch in Deutschland nur noch dort, wo ich es muss (z.B. Apotheke) und sonst nicht mehr (z.B. Supermarkt).

Ich denke, dass ich auch morgen (nach der für Omikron typischen Inkubationszeit von 3-4 Tagen) noch Corona-frei bin. Und wenn nicht, vertraue ich meiner Booster-Impfung und den Aussagen der beiden Christians von ganz oben. 






Dienstag, 15. März 2022

2 x 3 macht 4, Widdewiddewitt und Drei macht Neune!

Liebe Leser*innen,

bitte betrachten Sie folgende Grafik (Link zur Quelle, 15.03.2022):


Welche Interpretation (bzw. Aussage) kommt Ihnen hierzu sofort in den Sinn?
Richtig, natürlich diese (Link zur Quelle, 15.03.2022):


Ich bin unsicher, was mich hier fassungsloser macht:
  • Dass Lauterbach (der "Mann der Wissenschaft") allen Ernstes eine so unfassbar falsche Aussage macht, obwohl ihn selbst seine eigene Grafik Lügen straft?
  • Dass er überhaupt noch auf die für sich alleine vollkommen unaussagekräftige Inzidenz hinweist?
  • Dass es in den letzten Jahren nur einen einzigen Politiker gab, für den ich mehr Faktenchecks fand/las, die seine falschen Aussagen oder Prognosen widerlegten, nämlich Donald Trump?
  • Dass zig Qualitätsmedien diesen Unsinn einfach stumpf und ungeprüft in ihren Schlagzeilen nachplapperten und (manche, aber längst nicht alle) erst nachbesserten, als sie von ihren Leser*innen darauf hingewiesen wurden (siehe Collage)?

Ich hatte ja tatsächlich die Hoffnung gehabt, dass sich unser monothematischer Gesundheitsminister endlich mal um den immer größer werdenden Pflegenotstand und das immer weiter abbauende Gesundheitssystem kümmern würde (und z.B. auch mal die unsäglichen Fallpauschalen reformieren oder abschaffen würde, unter denen praktisch alle Ärzt*innen und Pflegenden leiden - und die ja erst aufgrund seiner Einflüsterungen an die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt eingeführt wurden), aber die hat sich spätestens verflüchtigt, seit ich sah, womit er jetzt noch zusätzlich die Sender und Talkshows beglücken muss - denn auch hierfür ist er neuerdings Fachmann:


Klar, dass man unter diesen Umständen keine Zeit mehr hat, seine eigenen Postings auf Faktentreue zu untersuchen. Und 1.585 ist ja tatsächlich viel mehr als 4.334 oder 5.608. Allerdings nur bei Pippi Langstrumpf.

Dienstag, 1. März 2022

Endlich: Die FIFA greift knallhart durch!


Genau mein Humor: Die FIFA schließt Russland wegen seiner menschen- und völkerrechtlichen Verstöße von der nächsten Fußball-WM aus.

Die WM findet in Katar statt.
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Weitere Meldungen:

Deutschland wird wegen seines Gender-Pay-Gaps von der internationalen Konferenz für Frauenrechte in Afghanistan ausgeladen.

Die Schweiz boykottiert das internationale Skispringen in Österreich wegen der dortigen kommerziellen Ausbeutung der Alpen.

Die Schweiz wird wegen ihrer zu lockeren Waffengesetze von der nächsten Sicherheitskonferenz in den USA ausgeschlossen.

Brasilien wird wegen seiner exzessiven Massentierhaltung nicht zu dem im US-amerikanischen Cattle Country stattfinden Tierwohl-Kongress eingeladen.

Honduras erteilt Einwohnen El Salvadors keine Einreisegenehmigung wegen der dortigen Kriminalitätsrate (insbesondere bei Tötungsdelikten).

Die österreichische Regierung tadelt Italien wegen seiner häufigen Ministerpräsidenten-Wechsel.

England verurteilt Maltas starres Festhalten am unsinnigen Linksverkehr.

Der Türkei wird "wegen Nichterfüllung aller Kriterien" die Teilnahme an Saudi-Arabiens internationaler Konferenz für Pressefreiheit verwehrt.

Samstag, 26. Februar 2022

Lauterbach kennt sich mit Narzissmus aus


Mediziner definieren Narzissmus in der Regel als Persönlichkeitsstörung, die von einem extremen Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung geprägt ist Link

Weitere Diagnosen:

„Ich finde ihn als Politiker nicht sehr seriös.“
Donald Trump über Boris Johnson

„Der Typ hat sich einfach nicht im Griff.“
Klaus Kinski über Stefan Effenberg

„Auf dem Platz muss man sich immer unter Kontrolle haben.“
John McEnroe über Alexander Zverev

„Also, der hat wirklich ein massives Alkoholproblem!“
Harald Juhnke über Udo Lindenberg

„Ey, Du hast echt ne total nervige Stimme!“
Udo Lindenberg zu Herbert Grönemeyer

„Unglaublich, wie viel dieser Mann raucht. Das kann nicht gesund sein.“
Helmut Schmidt über Keith Richards

„Der ist total klein!“
Philipp Lahm über Prince

"Sag mal, denkst Du eigentlich nur an Sex?"
Prince zu Klaus Kinski

„Der sollte erst mal seine Zähne richten lassen“
Jürgen Vogel über Karl Lauterbach

„Nichts gegen Schönheitschirurgie, aber man kann es auch übertreiben. Das ist doch nicht mehr ästhetisch!“
Donatella Versace über Meg Ryan

"So ein Schwurbler und Verschwörungstheoretiker!"
Der Wendler über Attila Hildmann

"Ich halte Dich für einen sexistischen Chauvi und Macho!"
Jeffrey Epstein zu Silvio Berlusconi



Mittwoch, 12. Januar 2022

Warum ich gegen eine "Impfpflicht für alle" bin

Da heutzutage ja bereits von erschreckend vielen Menschen alles, was über die Länge eines Tweets hinaus geht, als "zu lang" bzw. "zu viel Text" empfunden wird, anbei zunächst die Kurzform:

Vorab: Ich war bislang 2x mit BioNTech geimpft und ließ mich heute "Boostern". Trotzdem bin ich gegen eine allgemeine Impfpflicht und zwar aus folgenden Gründen:

  1. Keine Herdenimmunität bzw. Ausrottung des Corona-Virus mit den derzeitigen Impfstoffen möglich.

  2. Es gibt keine grundsätzliche Verpflichtung zum Selbstschutz.

  3. Corona stellt keine allgemeingültige Gefährdungslage dar, die „alle“ (Junge/Alte, Vorerkrankte/Kerngesunde) gleichermaßen betrifft.

  4. Es gilt das Recht auf körperliche Unversehrtheit - welches nur in Abwägung konkret drohender Gefahren verletzt werden darf.

  5. Es wurde allen Wähler*innen versprochen, dass eine Impfpflicht "ausgeschlossen" sei und "unter keinen Umständen" kommt.

  6. Eine Impfpflicht kann ohne nationales Impfregister nicht kontrolliert und ohne echte Sanktionen/Konsequenzen nicht durchgesetzt werden.

  7. Es droht eine verstärkte Spaltung der Gesellschaft.
Wer mehr als nur Überschriften (also Argumente und Begründungen) lesen will, kann das ab hier tun - alle erwähnten Zahlen/Daten bilden den Stand vom 11.-12. Januar 2022 ab:
  1. Im Gegensatz zu den oft verglichenen Impfpflichten gegen Masern (hier gilt die Impfpflicht allerdings gar nicht flächendeckend) und Pocken lässt sich Corona nicht durch die derzeitigen Impfstoffe ausrotten. Schon Ende Juli 2021 (als Israel mit dem Boostern begann) war klar, dass auch in Deutschland nach der 2. MRNA-Impfung nachgelegt werden musste, da der Impfschutz bei manchen Altersgruppen bereits nach 12 Wochen kaum noch Schutz vor einer Ansteckung mit der Delta-Variante bot. Okay, ich gebe zu: Nicht allen war das klar, wie man anhand des grandios verpatzten Booster-Starts sowohl unserer alten als auch unserer neuen Regierung sah, der uns mit Vollgas geradewegs in die 4. Welle reiten ließ. Mittlerweile weiß man aber sogar, dass selbst der Booster keinen großen Schutz vor einer Omikron-Infektion (je nach Pre-Print-Studie wird von 25-60%igem Infektionsschutz gesprochen, der aber ebenfalls nach ein paar Wochen kontinuierlich sinkt), sondern "nur noch" vor einem schweren Verlauf bietet. Und spätestens seit Israel ernüchternde Ergebnisse der dort mittlerweile getesteten 4. Dosis meldet, gibt es keine Evidenzbasierte Begründung mehr, mit diesen Impfstoffen eine allgemeine Impfpflicht zu rechtfertigen.
    Nicht zu vergessen: Auch das RKI schrieb bereits am 22. Juli 2021: "Die Vorstellung des Erreichens einer „Herdenimmunität“ im Sinne einer Elimination oder sogar Eradikation des Virus ist (...) nicht realistisch." Und da war Omikron noch gar nicht bekannt.

  2. Wenn die Impfpflicht also weder eine Corona-Ausrottung noch eine Herdenimmunität gewährleistet, geht es somit nur noch um den Eigenschutz. Darf man aber zu diesem gezwungen werden? Falls ja, müsste auch die Tetanus- und Grippeimpfung verpflichtend sein. Zusätzlich dürfte man weder Alkohol noch Zigaretten, noch extrem zuckerhaltige Lebensmittel verkaufen, denn auch wenn Corona auf dem Höhepunkt der 2. Welle für knapp 5.700 belegte Intensivbetten sorgte, war das "nur" ein Anteil von 22% aller Intensivbetten. Für weitaus mehr Erkrankungen und Todesfälle sorgen jedes Jahr Fettleibigkeit/falsche Ernährung (vor allem durch zu viel Zucker - ergo Diabetes), Rauchen (Gefäßerkrankungen) und Alkohol. Ganz zu schweigen von anderen unheilbaren Nervenerkrankungen wie Multipler Sklerose, Parkinson oder ALS. Auch Geschlechtsverkehr dürfte seitens der Männer niemals ohne Kondom mit ungetesteten Sexualpartnern vollzogen werden, da  ansonsten schwere und unheilbare Erkrankungen drohen - wie Hepatitis C, HIV/AIDS, Tripper, Syphilis u.v.m.

  3. Es ist nicht jeder gleich stark gefährdet - auch das unterscheidet Corona von den Pocken. Schaut man sich die aktuelle Statistik der Corona-Todesfälle an, sieht man, dass in den letzten 2 Jahren insgesamt 23 Kinder unter 10 Jahren an und mit Corona verstarben (darunter 20 mit schweren Vorerkrankungen) aber 95.705 (von insgesamt 112.740 an und mit Covid Verstorbenen) über 70 Jahre alt waren. Das Robert-Koch-Institut schreibt in seinem aktuellen Wochenbericht dazu:
    "Von allen übermittelten Todesfällen seit KW10/2020 waren 95.707 (85%) Personen 70 Jahre und älter, der Altersmedian lag bei 83 Jahren."

    Im Vergleich dazu: "Bislang sind dem RKI 41 validierte COVID-19-Todesfälle bei unter 20-Jährigen übermittelt worden. Diese Kinder und Jugendlichen waren zwischen 0 - 19 Jahre alt. Bei 29 Fällen lagen Angaben zu bekannten Vorerkrankungen vor." Mit welcher Begründung will man also einen 18- oder 19-Jährigen ohne Vorerkrankungen zwingen, sich gegen Corona impfen lassen zu müssen? Ich möchte in diesem Zusammenhang auch noch mal an den Impfstart in Deutschland erinnern: Anfangs hatten wir 4 Impfstoffe, die angeblich alle einen großen Schutz vor Infektion/Weiterverbreitung und Erkrankung boten. Mittlerweile haben wir für unter 30-Jährige und Schwangere nur noch 1, nämlich BioNTech. Moderna ist in diversen Ländern mittlerweile gar nicht mehr zur Impfung zugelassen, bei anderen (wie Deutschland) für alle unter 30-Jährigen "nicht zu verwenden". Zuletzt meldete eine israelische Studie ein Risiko von 1:6637 für junge Männer, nach einer Moderna-Impfung an einer Herzmuskelentzündung zu erkranken. Dass 3/4 davon "meist mild" verlaufen, ist hier nur ein schwacher Trost. Denn selbst wenn man bei einer symptomatischen Corona-Infektion ein noch größeres Risiko hat, an einer Myokarditis zu erkranken, bleibt ja die Frage: Wie groß ist denn überhaupt das Risiko für einen 18-Jährigen, symptomatisch an Corona zu erkranken? Bislang wurden in Deutschland in knapp 2 Jahren 7.581.381 bestätigte Infektionen (wobei hier natürlich auch Mehrfachinfektionen enthalten sind) - bei 83 Millionen Einwohnern - gezählt. Selbst wenn die Dunkelziffer natürlich viel höher sein wird, besteht die dann ja wiederum eher aus asymptomatischen Fällen - die dann offensichtlich auch nicht von Long-Covid oder einer Herzmuskelentzündung betroffen waren.

    Spätestens seitdem bekannt ist, dass Omikron im Vergleich zu Delta (wo ca. 0,7% aller per PCR nachgewiesenen Infektionen intensivmedizinisch behandelt werden mussten) zu deutlich weniger Hospitalisierungen führt ("
    Den vorläufigen Ergebnissen nach fiel das Hospitalisierungsrisiko bei einer Omikron-Infektion insgesamt um bis zu 30 Prozent geringer aus als bei der Delta-Variante. Bei doppelt Geimpften sinkt das Risiko um 34 Prozent, bei Menschen mit einer Boosterimpfung sogar um 63 Prozent. Bei den Ungeimpften sei dieses Risiko um 24 Prozent kleiner."), muss das Kosten/Nutzen-Risiko (nicht nur) bei jungen Menschen neu bewertet werden. Aus den USA werden heute ähnliche Daten gemeldet. Auch wenn Karl Lauterbach weiterhin an seiner seltsamen Aussage festhielt, dass vor allem junge Menschen an Omikron erkranken (was bereits seit Mitte Dezember widerlegt wurde  - ein weiteres Zitat dazu: „Ich weiß nicht, worauf Herr Lauterbach seine Annahme stützt. Es gibt einfach keine belastbaren Daten dazu. Alles, was wir wissen, ist, dass Omikron ansteckender ist“, sagte Dr. Thomas Fischbach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte/BVKJ am 7.1.2022 zur BILD) , aber was ich von ihm als Gesundheitsminister halte, hatte ich ja mal bereits hier dargelegt - und da war er es noch nicht mal. Auch seine ständige Panikmache vor Long-Covid bei Kindern stellt sich in der Praxis als ebensolche dar. Zitat: "In den drei vorliegenden Studien mit Kontrollgruppe sind Kinder mit SARS-CoV-2-Infektion nicht häufiger von Spätfolgen betroffen als Kinder ohne SARS-CoV-2-Infektion. Die bisherigen wissenschaftlichen Studien zu Long-COVID bei Kindern und Jugendlichen haben erhebliche Einschränkungen. Es ist unklar, ob und in welcher Häufigkeit Long-COVID bei Kindern vorkommt".

  4. Es gilt das Recht auf körperliche Unversehrtheit - welches nur in Abwägung konkret drohender Gefahren verletzt werden darf - anbei einige weitere rechtliche Aspekte dazu.

  5. Seit wann gilt es eigentlich als unfein, wenn Politiker, die bezüglich einer Corona-Impfpflicht plötzlich eine 180-Grad-Wende vollzogen (die diese vorher gar "unter allen Umständen ausschließen" konnten), sich dafür öffentlich in einer Ansprache an alle Wählenden wenn schon nicht zu entschuldigen, dann doch wenigstens zu erklären? Ich finde es unfassbar, mit welcher Arroganz unsere Regierung hier handelt. Wie kann es sein, dass sich Angela Merkel im Frühjahr 2021 an die Bevölkerung wandte, um sich für die dann doch nicht vollzogene Oster-Ruhe zu entschuldigen, aber bei einem so eklatant wichtigen Punkt, bei dem unzählige Menschen monatelang als "Verschwörungstheoretiker" und "Schwurbler" beleidigt wurden, weil sie genau vor dieser Impfpflicht warnten, beziehungsweise dagegen protestierten, erfolgt gar nichts - außer läppischen Zeitungs-Interviews und schmallippigen Antworten in Nachrichtensendungen?

  6. Lauterbach will kein Impfregister aber die Impfpflicht? Aha. Wer soll dann wie kontrollieren, ob jemand tatsächlich geimpft ist oder nicht? Wie genau erfolgt die Kontrolle?
    Und: Es soll zwar Geldstrafen für Impf-Unwillige geben, aber bei Nicht-Zahlung keine Ordnungshaft? Sondern was genau? Gregor Gysi bringt es in diesem Beitrag sehr gut auf den Punkt. Unter diesen Umständen ist die Impfpflicht absolut nicht zielführend.

  7. Ich habe es mittlerweile satt, dass unsere Medienlandschaft fast flächendeckend alle Ungeimpften (außer denen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen) über einen Kamm schert und diejenigen, die gegen die Corona-Maßnahmen und eine drohende Impfpflicht demonstrieren, als Querdenker, Nazis oder sonst wie Gestörte darstellt. Wenn ein 20-Jähriger für sich zu dem Schluss kommt, dass ihm etwaige Impfnebenwirkungen (oder die Neuartigkeit der MRNA-Impfstoffe an sich) mehr Angst machen als eine Corona-Infektion, ist das erst mal zu respektieren. Das Paul-Ehrlich-Institut meldet (in seinem Bericht zur Sicherheit der Impfstoffe vom 27.11.2020-30.11.2021) Folgendes dazu: "Die Melderate betrug für alle Impfstoffe zusammen 1,6 Meldungen pro 1.000 Impfdosen, für schwerwiegende Reaktionen 0,2 Meldungen pro 1.000 Impfdosen."
    Das entspräche bei Infektionen einer Inzidenz von 20 für schwerwiegende Reaktionen. Dem gegenüber steht die Mehrheit der entweder vollkommen asymptomatisch oder sehr mild verlaufenden Infektionen bei jungen Menschen. 

    Es ist löblich, dass manche Medien Ausnahmen machen und Menschen zu Wort kommen lassen, die sich bisher nicht impfen ließen. Niemand, der halbwegs bei Verstand ist, würde diese Beispiele weiterhin als "Querdenker", "Verschwörungstheoretiker" oder "Reichsbürger" bezeichnen. Ja, natürlich gibt es die und das nicht zu einem geringen Anteil. Wer aber alle Demonstrierenden über einen Kamm schert, liegt genauso falsch wie der, der alle G20-Kritiker- und Demo-Teilnehmer als gewaltbereite Molotow-Cocktail-Werfer kriminalisiert. Freundschaften und Familien enden und zerbrechen an Corona bereits seit 2 Jahren, sei es aufgrund tödlicher Erkrankungen oder tödlicher Diskussionen und Vorwürfen. Es wird Zeit, diese unsägliche Schwarz-Weiß-Malerei aufzubrechen und die bereits bestürzend tiefen Gräben nicht noch breiter zu machen. Dass manche Menschen sich selbsterwählt außerhalb jeglicher zivilisierter und rational vertretbarer Diskussionsrahmen bewegen und wohl fühlen, ist mir dabei durchaus bewusst. Die halte auch ich nicht mehr für erreichbar. Man muss diese Menschen aber auch nicht noch unnötigerweise provozieren, indem man ihnen einen Deckmantel zur Verfügung stellt, der ihre verqueren und teils äußerst gefährlichen Aktionen auch noch "rechtfertigen" könnte.
Ich bin also gegen eine "Impfpflicht für alle". Für durchaus überlegenswert halte ich aber das geplante Vorgehen Italiens und Griechenlands, nämlich eine "Impfpflicht für über 50- oder 60-Jährige" einzuführen. Wenn es darum geht, unser Gesundheitssystem vor Überlastung zu schützen, sollte man dafür sorgen, dass diejenigen, die es am meisten belasten, geimpft sind - und wie alle Zahlen (siehe Punkt 3) belegen, sind es nun mal hauptsächlich sie, die auf den Intensivstationen landen bzw. schwere Verläufe erleben. Allerdings sollte dies bei einer Pflicht nur mit einem Impfstoff durchgeführt werden, der auch tatsächlich einen deutlichen Schutz vor einer Infektion bietet (was aktuell kein Impfstoff gewährleistet, siehe Punkt 1). Und auch dann gilt es, besonders die Punkte 4 und 6 zu berücksichtigen.

Ich halte es jedenfalls für ein absolutes Unding, ständig Druck auf Eltern auszuüben, ihre Kinder impfen zu lassen (es gibt ja sogar bereits Menschen, die die Impfung für unter 5-Jährige fordern und durchführen), solange nicht alle über 60-Jährigen geimpft sind. Denn die müssen geschützt sein - die Kinder nicht (solange sie keiner Risikogruppe angehören). Genau das ist auch die Evidenzbasierte Empfehlung der STIKO.