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Dienstag, 19. April 2022

"Karl gegen die Killervariante" - demnächst im Kino!

Wirklich schade, dass unser monothematischer Corona-Minister mittlerweile zu seiner eigenen Karikatur wird. Verwahrte er sich noch am 16.02.2022 gegenüber dem ihm schon oft geäußerten Vorwurf, er sei ein Panikminister, hatte er am Ostersonntag mal wieder nichts Besseres zu tun, als als EU-weit einziger Schreier seine unsachlichen Weltuntergangsprophezeiungen herauszuposaunen (oder handelt es sich evtl. um den Titel seines nächsten Buchs?). Es sei durchaus möglich, dass man eine hochansteckende Omikron-Variante bekomme, die so tödlich wie Delta sei. Das wäre „eine absolute Killervariante“, sagte Lauterbach wörtlich

Abgesehen davon, dass wir hier nicht von Ebola reden, verlief die Delta-Variante bei 40-50% aller Infizierten symptomlos (aufgrund der Dunkelziffer vieler unerkannter Infektionen ist der reale Wert natürlich höher) und ihre Letalität lag bezogen auf alle Altersgruppen und Impfstatus bei ca. 0,1-0,2% (wegen der o.g. Dunkelziffer also niedriger) - und Geimpfte hatten natürlich ein ca. 90% geringeres Risiko, an ihr zu versterben - unter den dreimal geimpften Personen sank die Sterberate über alle Altersgruppen auf 0,1 Todesfälle pro 100.000 Einwohner). Entsprechend ließen die Reaktionen darauf (u.a. von besonneneren Wissenschaftlern) natürlich nicht lange auf sich warten (unter anderem warfen ihm Virologen "Unwissenschaftlichkeit" vor - peinlicherweise nicht zum ersten Mal übrigens - und selbst aus den eigenen Reihen kommt mittlerweile scharfer Gegenwind) - aber ich hätte Vorschläge, wovor ein seriöser Gesundheitsminister tatsächlich mal warnen sollte:

Es gäbe noch viel mehr aufzuführen, aber ich habe ehrlich gesagt die Hoffnung aufgegeben, dass Lauterbach die Analyse und Deutung etwaiger Corona-Varianten echten Fachleuten - nämlich entsprechend ausgebildeten Virologen wie Schmidt-Chanasit, Drosten und Streeck  (Letztere wurden ja extra in den Corona-Expertenrat der Bundesregierung berufen) - überlässt, er nicht weiterhin von Talkshow zu Talkshow hechelt, quasi rund um die Uhr twittert (und teilweise wirklich haarsträubenden Unsinn von sich gibt) und sich dann auch noch beklagt, dass der Tag zu wenig Stunden habe. Seine mangelhafte Selbstwahrnehmung hat schon pathologische Züge (es sprach Bände, als der wirklich sanfte und freundliche SPIEGEL-Autor Markus Feldenkirchen ihn in einem TV-Beitrag vorsichtig darauf ansprach, ob er nicht etwas zu häufig voreilig Dinge twittere, die sich später als nicht haltbar erwiesen, als einzige von Lauterbach zugegebene "Fehleinschätzung" die unsägliche - und natürlich ebenfalls falsche - Prophezeiung vom 28.10.2021 genannt bekam, dass die bislang Ungeimpften bis März 2022 "geimpft, genesen oder leider verstorben" seien). Feldenkirchens Gesichtsausdruck ist Gold wert, als Lauterbach allen Ernstes sagt: "...bei mir wird ja alles überprüft - das war eine unvorsichtige Aussage, aber das ist die Ausnahme." Stellen Sie sich hier bitte einen Tränen-lachenden Smiley vor.

Ich muss mich wiederholen: In den letzten Jahren gab es nur einen einzigen Politiker, für den ich mehr Faktenchecks fand/las, die seine falschen Aussagen oder Prognosen widerlegten, nämlich Donald Trump. Der ARD-Faktenfinder sah sich bereits im letzten Dezember gezwungen, schon zum 2. Mal einen "Faktencheck zu Lauterbach" zu veröffentlichen. Ich finde das nicht nur recht traurig, es macht mich (und viele in der Gesundheit arbeitende Menschen) auch ziemlich wütend. Als die Tagesschau den 1. Faktencheck veröffentlichte (das war im September 2020), reagierte Lauterbach übrigens wie folgt darauf:

"Nach der Veröffentlichung bedankte sich Karl Lauterbach bei der Redaktion für die konstruktive Kritik. Es sei schwer, auf Twitter immer den richtigen Ton zu treffen, so dass die Menschen einerseits die Botschaft verstünden, andererseits aber die Wissenschaftlichkeit gewahrt bleibe. Er wolle sich in Zukunft noch mehr darum bemühen."

Ich sehe weder das Bemühen, noch den Erfolg.


 


Montag, 2. April 2018

Apple!

Wenn ich „könnte“ schreiben will, will ich nicht „könnte“ schreiben, sondern „könnte“!
Aber jedes Mal versaut mir Deine blöde Autokorrektur Grammatik und Rechtschreibung.

Dasselbe bei „müsste“, „hätte“ und „würde“. Welcher sadistische Algorithmen-Schubser macht denn daraus bitte „müsste“, „hätte“ und „würde“?

Das wurde mich wirklich mal interessieren! Dafür müss es doch einen Grund geben? Sonst konnt Ihr mich mal gern haben...

Montag, 25. Juli 2011

Warum applaudiert niemand dem Busfahrer?

Letzte Nacht landete ich am Frankfurter Flughafen (ziemlich frustrierend, wenn man bei 28 Grad in Lanazrote startet und bei 11 Grad in Hessen ankommt - zumindest, wenn das im Juli der Fall ist - aber das soll jetzt nicht das Thema sein, sondern): Wie üblich klatschte das Chartervolk frenetisch Beifall, als der Pilot (ziemlich holperig) aufsetzte und dann seine Boeing zum Stillstand brachte.

Von einem mir bekannten Flugkapitän weiß ich, dass er und seine Kollegen das genauso albern und lächerlich finden - und dies zudem auch grundsätzlich nur bei Charterflügen vorkommt. Kein Passagier würde nach einem Linienflug auf diese Idee kommen - ebenso wenig, wie man einem Taxi- oder Busfahrer zujubelt, wenn der seine Fahrt erfolgreich beendet. Er meinte sogar, dass seine Ausbildung natürlich extrem aufwändig sei und sein Berufsleben auch sonst hohe Anforderungen und Hürden beinhalte, das reine Fliegen jedoch wesentlich unkomplizierter und stressfreier wäre, als beispielsweise das Fahren auf Straßen: "Eine 12-stündige Busfahrt nach Frankreich stellt an den Fahrer jedenfalls ganz andere Anforderungen als ein 4-Stunden-Flug auf die Kanaren an den Piloten."

Ich frage mich daher schon lange, was der Grund für diesen deplatzierten Applaus ist. Ist es ...

  • Die Erleichterung der von Flugangst geplagten Passagiere, dass sie heil angekommen sind?
    oder
  • Ihre aufrichtige Bewunderung dafür, dass es Menschen gibt, die ein Flugzeug sicher starten und landen können?
Was auch immer ihre Gründe sein mögen: Genauso zuverlässig wie ihr tumbes Klatschen ertönt das Geräusch ihrer aufspringenden Gurte, wenn sie von der Besatzung gebeten werden, bitte noch solange angeschnallt zu bleiben, bis die Machine zum kompletten Stillstand gekommen ist. Danach bleiben sie maulend in gebückter Haltung zwischen den Sitzen und Gängen stehen und murren, weil die Gangway noch nicht angebracht wurde.

Dienstag, 7. Dezember 2010

"Wetten, dass ..?" die Heuchelei noch unerträglicher wird?

Wer die letzten Tage nicht gerade in einer abgeschiedenen Höhle verbrachte, hat höchstwahrscheinlich mitbekommen, dass in der letzten "Wetten, dass ..?"-Sendung ein junger Kandidat namens Samuel K. bei der Ausübung seiner Wette einen schweren Unfall erlitt (Seine Ärzte verkündeten heute, dass sie eine vollständige Erholung von seinen Lähmungen für "unwahrscheinlich" halten).

Das ist schlimm für den jungen Mann und auch schlimm für seine Angehörigen beziehungsweise sein näheres Umfeld. Aber es ist nicht schlimm "für ganz Deutschland". Natürlich stürzen sich vor allem die Drecksmedien unseres Landes auf ihn wie die Geier auf verschimmeltes Aas. Überall verlinken sie das Video zum Unfall und zeigen die Bilder nach dem Sturz, die die Bildregie des ZDF sympathischerweise nicht zeigte. Allen voran natürlich wieder mal die BILD-Zeitung, deren heuchlerisches Pharisäertum hier ja weiß Gott nicht zum ersten Mal deutlich wird. Dieser Beitrag des von mir äußerst geschätzten BILD-Blog beschreibt, was ich meine.

Aber auch "seriöse Journalisten" wittern die Chance, die sinkenden Auflagen ihrer Auftraggeber zu steigern. Da wird über die "Quotengier" (sic!), "Sensationslust" (sic!!!) und dem "Absetzen von Wetten, dass ..?" mit seinen "unverantwortbaren Wetten" geschrieben, dass sich die Tastaturen biegen. Ich sehe ja ein, dass sie ihre Artikel mit etwas anderem füllen wollen, als immer nur über den "extremen Jahrhundertwinter", "viel zu frühen Schnee", sowie "explodierende Winterreifen-Preise" zu schreiben, aber eventuell könnten sie ja mal die Kirche im Dorf lassen?

Meiner Meinung nach …
  • wurde Samuel K. nicht dazu gezwungen, diese Wette anzubieten/durchzuführen, sondern tat dies freiwillig. Dass das Risiko einer Verletzung hier größer war als beispielsweise bei Gedächtnis-Wetten oder Traubenweitwurf, musste jedem Beteiligten von Anfang an einleuchten
  • verdient jeder bleibende Schaden nach einem unverschuldeten Autounfall mehr Mitleid (über diese zigtausend Fälle pro Jahr schreibt aber keiner, es sei denn, es handelt sich um Lady Diana oder einen anderen sogenannten "Promi", mit dem man Auflage machen kann). Ganz zu schweigen von Arbeits- oder Sportunfällen (Forderte jemand eigentlich die Abschaffung des Profi-Fußballs als zuletzt mehrere Berufskicker an Herzinfarkten starben?)
  • haben sich sowohl die Redaktion als auch die Moderatoren von "Wetten, dass ..?" angemessen verhalten und adäquat reagiert
  • liegt auch keine erkennbare Wandlung des Senders vor, zuletzt immer gefährlichere Wetten in die Sendung zu nehmen - vor allem, wenn man an den BMX-Biker denkt, der einmal das Dach eines Hauses übersprang - was bereits 2 Jahre her ist
  • muss nicht das ZDF "Wetten, dass ...?" komplett überdenken, sondern die Schreiberlinge ihre Ergüsse - und sich nebenbei vielleicht auch noch mal in die Birne hämmern, dass Samuel K. und sein Umfeld jetzt höchstwahrscheinlich vor allem RUHE wollen und nicht jeden Tag zusammengeklaute Fotos/Zitate aus dem Leben des Verletzten präsentiert bekommen möchten
Allerdings überfordert das diese Schmeißfliegen natürlich. Aber nach der heutigen Festnahme von WikiLeaks-Gründer Assange können sie sich ja an einem anderen Thema austoben, von dem sie nichts verstehen. Da geht es ja immerhin um Vergewaltigungen von blonden Schwedinnen, da müssen sich doch bestimmt Fotos und Stimmen auftreiben lassen …

Donnerstag, 17. Juni 2010

Liebe "Notebook-im-Meeting-Dabeihaber" …

… eines vorweg: Ich mag Meetings auch nicht besonders. Ich arbeite lieber. Vor die Wahl gestellt, 2 Stunden lang HelpDesk-Anrufe von unfreundlichen, genervten und cholerischen Usern anzunehmen oder für den selben Zeitraum einem Meeting beizuwohnen, würde ich mich fast immer für die Anrufer entscheiden - einfach weil ich dann auf jeden Fall etwas bewirken konnte und konkret etwas geleistet/geholfen habe. Natürlich kann man das nicht pauschal über alle Meetings sagen - aber leider waren gerade mal 30% all meiner bisher Erlebten wirklich produktiv und zielführend. Dass es nicht mehr waren, lag natürlich meist an falscher/schlechter Planung ("zu viele Köche verderben den Brei", "Bremser statt Entscheider"), mangelhafter Organisation ("Zeitrahmen bis zum Ziel viel zu lang") oder anderen Gründen, die ich hier lieber nicht aufführe. Was mir aber verstärkt in den letzten Monaten sauer aufstößt, ist die Unsitte, deretwegen ich mich heute an Euch wende: 8 von 10 Teilnehmern starren während des Meetings gebannt auf ihre Notebooks, checken Mails und täuschen lebensnotwendige Arbeiten vor (auch wenn sie in Wirklichkeit Solitaire spielen oder auf Facebook surfen). Dazu einige Beobachtungen und Anmerkungen:
  • Der Einzige, der während eines Meetings oder einer Präsentation sein Notebook aufgeklappt haben muss, ist der Vortragende (bzw. das arme Schwein, welches Protokoll schreiben muss). Wer sich nicht daran hält, zeigt sein Desinteresse dermaßen deutlich, dass er lieber gleich draußen bleiben sollte. Ich packe auch nicht währenddessen den SPIEGEL oder ein Buch aus und lese darin
  • Eventuell hat Euch mal jemand gesagt, dass man "wichtig" und "unentbehrlich" wirkt, wenn man im Meeting mit gerunzelter Stirn und angespanntem Gesichtsausdruck seine Mails liest - lasst mich das bitte korrigieren: Es wirkt lächerlich und extrem unhöflich! Wer wirklich "wichtig" ist, hat Leute, die seine Aufgaben für die Dauer des Meetings übernehmen. Ein (zum Glück mittlerweile ehemaliger) Kollege trieb das perfekt auf die Spitze: Monatelang wunderte ich mich in diversen "Jour Fixes" (Unwort!) über ihn, wie er mir gegenüber sitzend kopfschüttelnd seine Klicks kommentierte, die er auf seinem Notebook ausführte. Er wirkte wie jemand, der gerade eine Absage auf seine Vorschläge zur Nahost-Politik erhalten hatte. Irgendwann setze ich mich mal neben ihn und bemerkte, dass er nichts weiter tat, als seinen Posteingang immer wieder zu minimieren und maximieren - und bei jedem zweiten Klick laut seufzte oder den Kopf schüttelte. Eventuell tat ihm das Ganze ja wirklich physisch weh, daher beugte ich mich irgendwann mal zu ihm rüber und murmelte mitfühlend: "Ganz schön anstrengend, oder?" Danach achtete er immer sorgfältig darauf, nicht mehr neben mir zu sitzen
  • Eventuell habt Ihr schon einmal mitbekommen, dass Kindern vor dem Unterrichtsbeginn das Handy seitens der Lehrkörper konfisziert wird - das soll bewirken, dass dem Vortragenden zugehört wird. Natürlich kann man das geistige Abschalten der Rezipienten damit nicht ausschließen - aber es erfolgt dann eben zumindest subtil und nicht so offensichtlich ignorant. Aus dem selben Grund spreche ich das auch bei allen Schulungen/Präsentationen, die ich halte, direkt an, denn:
  • Im Gegensatz zu besagten Schulkindern, denen eine Aussage wie "Ich habe jetzt aber gar keine Lust auf den Unterricht, ich möchte lieber SMS schreiben!" wenig bringen würde, könntet Ihr ja Eure Meeting-Teilnahme einfach vorher absagen. Scheitern tut dies in der Regel aber an triftigen Gründen oder mangelndem Selbstbewusstsein, oder?
In diesem Sinne: Ihr könnt gerne Eure Köpfe abschalten, aber dann bitte auch Eure Notebooks!

Samstag, 12. Juni 2010

Warum Vuvuzelas nerven

Gestern begann die Fußball-WM in Südafrika und was ich befürchtete, trat ein: Die Live-Übertragungen sind (völlig unabhängig von der spielerischen Qualität der Begegnungen) eine Katastrophe. Der Grund dafür sind die unsäglichen "Vuvuzelas" - trompetenähnliche Geräuscherzeuger, der aufgrund ihrer Bauart allerdings selbst Könner maximal 3 Tonhöhen entlocken können - sie haben mit Musikinstrumenten daher etwa so viel zu tun, wie Schwäbisch mit Hochdeutsch.

Dass die Dinger über 120 DB laut werden und damit Gehörschäden hervorrufen können, ist ja längst bekannt und tangiert mich wenig, da ich die Spiele ja Gott sei Dank nicht im Stadion, sondern vorm TV verfolge - auch Public Viewing vermeide ich selbstredend, denn viele meiner Landsleute folgen dem geistlosen Herdentrieb und stellen ihre mangelnde Individualität ebenfalls bereits laut trompetend unter Beweis. Aber auch wenn ich im Wohnzimmer sicher keinen Hörsturz davon tragen werde, stelle ich fest, dass mir dieses konstant monotone Geräusch (irgendwo zwischen Bienenschwarm und Elefantenherde) ziemlich auf die Nerven geht. Zwar bietet "Sky Sport" seinen zahlenden Zuschauern die Möglichkeit, den Kommentator per Optionstaste auszublenden (was ich bei dumpfen Nervbacken wie Fritz von Thurn und Taxis auch immer gerne tue), aber eben keine "Vuvuzela-OFF"-Taste - obwohl das technisch kein Problem wäre - da sich ihre Frequenz ziemlich leicht weg filtern ließe. (Nachtrag: Seit dem 16. Juni bietet Sky doch eine solche Option an: 1x mit Vuvuzelas und 1x ohne - diese funktioniert recht gut)

Fifa-Präsident Joseph Blatter weigert sich übrigens, die Vuvuzelas verbieten zu lassen (was schon seit dem letzten Confed-Cup mehrere Spieler, Trainer und Funktionäre forderten), da sie "ein Teil der afrikanischen Kultur" seien und ein Verbot "diskriminierend" wäre. Hier ein paar Gegenargumente:
  • Dass die Vuvuzela, (die ursprünglich aus den USA und China importiert wurde und ihre ersten nennenswerten Südafrika-Verkäufe in den 90er Jahren startete), "afrikanisches Kulturgut" sein soll, ist hochgradig lächerlich. Etwas, was erst seit maximal 10 Jahren bekannt ist, kann kein "Kulturgut" sein
  • Das Spiel wird kaputt geblasen, weil die Spieler die Anweisungen ihrer Trainer nicht mehr hören können und selbst die Spieler untereinander keine verbale Kommunikation mehr führen können (wie die mexikanische Mannschaft gestern Abend bestätigte). Immer mehr Spieler (die ja nun mal die wichtigsten Akteuere dieser WM sind und jahrelang auf dieses Turnier hingearbeitet haben) geben an, dass sie vom Dauerpegel genervt sind und nach Spielende halb taub in die Kabinen gingen. Worin liegt also der Nutzen oder Sinn, die Laune/Leistungsfähigkeit der besten Fußballspieler der Welt zu beinträchtigen? Auch wenn manche es nicht glauben wollen: Fußball findet auch im Kopf statt und Kommunikation gehört dazu
  • Die Atmosphäre im Stadion wird völlig verhunzt. In diesem Blog-Beitrag bemängelt ein südafrikanischer Redakteur, dass die "Gesänge" und "Trommeln/Rhyhtmen", die früher immer die Akustik eines Fußballspiels ausmachten, durch einen monotonen Dauerton unerträglicher Lautstärke ersetzt wurde. Die Folge: Niemand "erfindet" mehr neue Fangesänge oder Schlachtrufe, weil man sie eh nicht mehr hören kann. Die sonst vorhandene akustische Dynamik eines Fußballspiels wird komplett  zunichte gemacht. Wenn eine Heim-Mannschaft schlecht spielt, herrscht normalerweise "Totenstille" - bei manchen Aktionen "geht ein Raunen durchs Stadion", bei Angriffen "tobt ein Hexenkessel", bei erzielten Toren gibt es "ohrenbetäubenden Jubel" - all das fällt weg -  Stevie Wonder hätte jedenfalls keine Chance mitzubekommen, dass ein Tor fällt. Kurz: Niemand kann seine Mannschaft mehr "nach vorne peitschen"
  • Die genauso unsäglichen "Gas-Hupen", die früher in den Fußballstadien eingesetzt wurden, sind längst verboten. Warum? Weil sie das Gehör schädigen können. Niemand käme auf die Idee, zu jammern, dass die aber "ein Teil der europäischen Kultur" seien und man durch ihr Verbot "diskriminiert" werde
  • Wenn eine Nation Gastgeber einer Fußball-WM ist, sollte sie auch einigermaßen gastfreundlich sein - was diesen Punkt angeht. Es hat ja keiner was dagegen, wenn Südafrika-Fans beim Spiel gegen Frankreich in ihre Vuvuzelas blasen - damit helfen sie laut ihrem Nationaltrainer ihrem Team sogar. Aber warum tun sie das auch bei Griechenland - Südkorea? Zu einer WM gehören auch die Fangesänge aller teilnehmenden Nationen - und nicht nur ein immer gleiches Dauergeräusch
  • Es ist übrigens auch nicht "typisch deutsch", ein Verbot dieser "Instrumente" zu fordern (bzw. sie für Public Viewing zu verbieten) sondern ein internationaler Wunsch. Online-Petitionen dieser Art gibt es mittlerweile in allen Ländern, deren Teams an der WM teilnehmen (selbst in Südafrika). Zudem erteilte der Südafrikanische Rugby-Verband den Vuvuzelas bereits ein Stadion-Verbot für dortige Rugby-Spiele - dann sollte das auch für Fußball möglich sein
Und was ich mich vor allem frage: Was treibt die Dauerbläser eigentlich an? Ich habe selbst ein paar Mal in so ein Ding geblasen, als mein Sohn es im Supermarkt per Rubbellos gewann: Es ist ziemlich anstrengend für Lunge und Lippen, da einen halbwegs geraden Ton für ein paar Sekunden zu halten. Es fiele mir nicht im Traum ein, das über 90 Minuten (oder meinetwegen auch nur 10 Minuten) lang zu machen - was habe ich denn dann noch vom Spiel selbst? Ich zahle doch nicht Eintritt für einen Stadionplatz, nur um mich selbst um das Match zu bringen? Aber das ist wohl so eine dieser Fragen, auf die man keine Antwort bekommt - es sei denn, ich würde sie einem Fan in Südafrika stellen, der sich aber sicher nicht auf diesen Blog verirren wird …

PS. (3 Tage später) Mittlerweile habe ich Zuschriften von aktiven Trötern erhalten. Als Antwort auf meine Frage schreiben sie: "Macht doch Spaß!". Ihnen möchte ich erwidern: Furzen kann auch Spaß machen - aber nicht, wenn es 50.000 Leute gleichzeitig tun

Dienstag, 18. Mai 2010

Liebe Hundebesitzer …

… bitte überdenkt, ob folgende Bitten nicht nur erfüllbar sind, sondern auch zu einem wesentlich entspannteren Umgang zwischen Euch und Nicht-Hundebesitzern führen könnten:
  • Straßen/Bürgersteige, Parks und Waldwege sind für alle da. Für Spaziergänger, Jogger, Wanderer, Radfahrer und Hundebesitzer. Nicht nur für eine Gruppe davon. Wenn Euer Hund größer ist als eine Ratte und Ihr mit ihm auf öffentlichen Wegen unterwegs seid, leint ihn bitte an. Der Grund ist nicht der, dass man Euch (oder Eure Hunde) in "Euren Grundrechten beschneiden" oder "Euch drangsalieren" will, sondern dass es für einen Nicht-Hundebesitzer nicht sehr angenehm ist, wenn ein ausgewachsener Dobermann hechelnd auf ihn zustürmt, während dessen "Herrchen" oder "Frauchen" ihn mit immer verzweifelterer Stimme auffordert "jetzt aber sofort her zu kommen". Respektiert die Angst Eurer Mitmenschen angesichts eines großen Hundes. Euer gern gebrachtes "Argument", dass sich Euer Hund "auch mal austoben muss" zieht nicht. Ich überlege mir VORHER, ob ich einem Tier eine passende Umgebung bieten kann und käme auch nicht auf die Idee, mir Fische zuzulegen, wenn ich nicht mal einen Wasseranschluss zu Hause habe. Wie würdet Ihr reagieren, wenn Ihr einem Spaziergänger begegnet, der eine gezogene Knarre auf Euch richtet? Genauso fühlen sich manche Mitmenschen angesichts Eurer "Lieblinge". Mit dem Unterschied, dass die Knarre wesentlich ungefährlicher ist, weil sie höchstwahrscheinlich niemals von selbst losgehen wird - siehe auch nächster Punkt
  • Bitte streicht den Satz "Der tut nichts - der ist ganz lieb" FÜR IMMER aus Eurem Vokabular. Auch die Ergänzung "Der will nur spielen" hilft nichts. Der Satz ist schlichtweg falsch. Richtig müsste er heißen: "Der hat bisher noch nie was getan". Euer Hund ist nämlich ein Lebewesen und somit hat er (wenn auch begrenzter als andere Tiere wie beispielsweise Katzen) einen eigenen Willen. Die Opfer von Hunden, die "bisher noch nie gebissen hatten" haben bereits ganze Krankenhäuser (und einige Gräber) bevölkert
  • Erzieht Euren Hund. Es ist nicht "niedlich" oder "drollig" wenn sich ein kalbsgroßer Köter auf einen wirft oder ihn anspringt "weil er sich freut". Ich springe Euch auch nicht auf die Schultern oder sabbere Euch das Gesicht voll, wenn mich Euer Erscheinen beglückt. Ebenfalls nicht angenehm ist es, wenn sich ein kürbisgroßer Hundekopf ungefragt in den Kinderwagen schiebt, um zu schnuppern, ob das was zu Fressen drin liegt. Auch ständiges Kläffen, Bellen und Knurren kann nerven. Es wird auch nicht besser, wenn Ihr Eurem Tier ein "lustiges" Tuch oder Halsband umbindet auf dem "Ich darf alles!" steht. Der große Vorteil beim Hund als Haustier liegt tatsächlich darin, dass man ihn erziehen kann (setzt natürlich voraus, dass man "Erziehung" kennt und wertschätzt, was man manchmal an den "echten" Kindern der Hundebesitzer erkennen kann - bzw. oft auch eben nicht)
  • Räumt die Scheiße weg! Katzenhalter machen das Klo ihrer Lieblinge sauber - außerhalb der Wohnung verbuddeln Miezen ihre Hinterlassenschaften selbständig. Hunde können das leider nicht. Das sollte man als Hundebesitzer wissen und entsprechend handeln. Das Letzte was Kinder und ihre Eltern auf Spielplätzen im Sandkasten finden wollen, sind die Fäkalien Eurer Lieblinge. Aber auch auf Bürgersteigen, Park- und Waldwegen sowie Stränden gibt es Schöneres, in das man treten kann

Samstag, 3. April 2010

Schmand am Gründonnerstag

Gründonnerstag, 18 Uhr. Ich habe bewusst diese Uhrzeit zum Einkaufen gewählt, da der Deutsche an sich um diese Zeit gerne sein Abendbrot zu sich nimmt. So steuere ich also meinen lokalen REWE-Markt an und drehe gleich wieder um: Der Parkplatz ist brechend voll - teils stehen die Autos bereits in 2. Reihe.

Viel brauche ich eigentlich gar nicht - die Butter ging mir am Vortag aus, Schinken auch und für den nächsten Tag benötige ich noch etwas Schmand. Ich parke also in einer Nebenstraße und betrete das Grauen: Schlecht gelaunte Panikkäufer schieben ihre zum Bersten gefüllten Einkaufswagen durch die überfüllten Gänge. Um am Kühlregal die Butter erblicken zu können, muss man sich erst einmal anstellen. Ich fühle mich im falschen Film. Ist eine Krise ausgebrochen? Irgendwo eine Atombombe detoniert? Hat Bin Laden die Großlager der REWE-Märkte bombardieren lassen? 

Viel Zeit für eine Produktauswahl habe ich nicht. Kaum stehe ich endlich in Reichweite der gewünschten Lebensmittel spüre ich schon zischelnde Unruhe hinter mir. Gierige Hände wollen bereits nach den abgepackten Wurstscheiben aus unglücklichem Schweinefleisch greifen - ja, der Panikkäufer weiß genau, was er will, der braucht nicht zu überlegen. Wahrscheinlich hat er seinen seitenlangen Einkaufszettel bereits am Morgen verfasst - und den gilt es jetzt zielstrebig abzuarbeiten.

Schmand, Schmand, ich finde keinen Schmand. Neben mir ein gleichaltriger Herr, der ebenfalls bestürzt die leeren Regalflächen absucht und schließlich seinen Zeigefinger auf die Beschriftung legt: "Hier stand der Schmand. Gibt's doch nicht, alles weg!". Ich wittere einen Bruder im Geiste: "Ich nehme an, Sie wollten auch keinen Großeinkauf machen, oder?" Unruhig blickt er um sich, als vermute er lauschende Ohren, dann raunt er mir zu: "Die sind doch bekloppt hier. Vor jedem Feiertag dasselbe - es wird eingekauft, als gäbe es wochenlang nichts mehr zu fressen. Meine Frau arbeitet als Käseverkäuferin auf einem Wochenmarkt, die hat mich gerade angerufen, dass sie heute den umsatzstärksten Tag des Jahres hatte. Schauen Sie sich mal die Einkaufswagen an."

Und in der Tat, es ist kaum vorstellbar, dass diese Tonnen an Lebensmitteln nur am morgigen Karfreitag verzehrt werden. An den Kassen lange Schlangen. Ich habe nur 3 Sachen zu bezahlen (statt Schmand nahm ich dann eben Crème fraîche), aber vorlassen tut mich natürlich niemand. Es ist Krieg, da denkt jeder erst mal nur an sich. Wer weiß, wann die Geschäfte wieder aufmachen? Ich bin mir zwar sicher, dass das bereits übermorgen wieder der Fall sein wird, bin mir aber ebenso sicher, dass das Spiel dann wieder von vorne beginnt: Denn dann muss man ja sogar 2 einkaufsfreie Ostertage überbrücken. Es empfiehlt sich also, den PKW zuhause zu lassen und einen 7-Tonner zu mieten, um die Einkäufe komplett nach Hause bringen zu können. Sicher ist sicher.

Montag, 8. März 2010

Liebe Autofahrer ...

... bitte lest Euch die folgenden Punkte genau durch, bzw. lasst sie Euch von jemand anders vorlesen und erklären. Vielen Dank im voraus.
  • Einer der vielen verwirrenden Hebel neben Eurem Lenkrad ist der sogenannte "Blinker". Den benutzt man, um einen Richtungswechsel anzuzeigen. Wenn Ihr zum Beispiel nach rechts abbiegen wollt, könnt ihr damit mehrere Lämpchen an der rechten Seite Eures Autos "blinken" (also "an- und ausgehen") lassen. Dann wissen die anderen Autofahrer vor und hinter Euch, dass Ihr gleich abbiegen werdet. Das ist total praktisch und kostet keinen Tropfen Sprit extra. Und das Beste: Es klappt auch auf der linken Seite. Einfach mal ausprobieren
  • Der rechte Streifen bei Autobahn-Auffahrten heißt auch "Beschleunigungsstreifen". Den nennt man so, weil man da (VOR dem Auffahren auf die Autobahn) richtig dolle Gas geben soll, damit man nicht mit 40 km/h auf die Autobahn fährt. Dann müssen nämlich die anderen Autofahrer, die schon auf der Autobahn fahren, nicht voll in die Eisen steigen. Noch besser könnt Ihr Euch das von einem voll beladenen LKW zeigen lassen, der direkt von hinten auf Euch zukommt und leider nicht innerhalb von 1 Sekunde anhalten kann, wenn Ihr Euch direkt vor ihn quetscht. Das wiederum nennt man "Bremsweg" - aber das braucht Ihr dann nicht mehr zu wissen
  • Einige von Euch erinnern sich vielleicht noch an die drollige Kopfbewegung, die man während der Fahrstunden immer machen musste. Das ist der sogenannte "Schulterblick".  Der ist nicht etwa "schwul", sondern dafür da, dass man den "toten Winkel" überblicken kann. Damit wiederum ist nicht der Inhalt Eures Kopfes gemeint, sondern das, was man im Rück- und Seitenspiegel nicht sehen kann. Wenn Ihr also wieder das nächste Mal auf der Autobahn bei voller Geschwindigkeit eine Spur nach links schwenkt und Ihr dann total böse angehupt werdet, wisst Ihr, dass da einer drin war
  • Manchmal gibt es auf Autobahnen nicht nur 2, sondern 3 oder sogar 4 Spuren. Das heißt nicht, dass Ihr dann trotzdem immer die ganz linke nehmen sollt. Ganz links fährt man nur, wenn man überholen will. Und überholen kann man nur, wenn man schneller fährt als die anderen. Das klingt total kompliziert, ist aber trotzdem wahr. Und noch ein Tipp: Wenn vor Euch in ca. 1 Kilometer Entfernung ein LKW zu sehen ist und Ihr gerade mit 120 km/h rumtuckert - dann reicht es, wenn Ihr auf die linke Spur fahrt, kurz bevor Ihr ihn erreicht. Nicht schon jetzt - denn sonst stauen sich hinter Euch alle Autofahrer, die schneller als 120 km/h fahren wollen
  • Noch ein Tipp: "Reißverschluss" ist nicht nur das, was Ihr auf der Toilette aufmachen sollt, damit Ihr Euch nicht in die Unterbuchsen strullt. Nein, "Reißverschluss" nennt man es auch, wenn man zum Beispiel nach einer Autobahn-Abfahrt auf eine Landstraße auffahren will (so ähnlich wie bei der Autobahn-Auffahrt) und da schon andere Autos sind. Dann fährt man diese Auffahrt ganz bis zu Ende und dann geht es immer abwechselnd weiter: Einer von rechts darf rein, danach fährt der, der schon auf der Straße war weiter, dann wieder einer von rechts und immer so weiter. Das nennt man auch "Einfädeln lassen". Manchmal wird einem das sogar dadurch angezeigt, dass zwischen der Landstraße und der Auffahrt eine dicke, durchgezogene Linie zu sehen ist. Die überfahrt Ihr zwar immer sofort, aber das ist falsch. Doch, ehrlich!
  • Zuguterletzt: unterlasst es bitte auch, sinnentleerte Phrasen wie "Ich fahre seit 20 Jahren unfallfrei" von Euch zu geben. Die meisten von Euch schafften das nämlich nicht etwa aus eigener Leistung, sondern weil alle anderen immer gerade noch rechtzeitig bremsen oder ausweichen konnten. Also nichts, worauf IHR stolz sein solltet

Samstag, 30. Januar 2010

Tabuthemen für Blogs

Worüber ich bitte in keinem Blog und keiner Kolumne dieser Welt mehr etwas lesen möchte:
  • Bedienungsanleitungen, die schlecht aus dem Asiatischen übersetzt wurden (mit vielen "unglaublichen" und "witzigen" Beispielen)
  • Unterschichten-Fernsehen (sogenanntes "Reality-TV" und "Dschungel-Mongo sucht Super-Bauer"-Soaps)
  • Frauen und Schuhe
  • Männer und Autos/Fußball
  • Frauen und Bedienungsanleitungen, die schlecht aus dem Asiatischen übersetzt wurden
  • Frauen und Männer (wenn Mario Barth darin erwähnt wird)
  • Models und Magersucht 
  • Zitate von Fußballern
  • Themen, über die man in Blogs nichts mehr lesen möchte
Liste wird fortgesetzt …

Donnerstag, 28. Januar 2010

Die Saunadeppen-Falle

Vorgestern war ich mit meinem Freund D. (nein, er heißt nicht "Detlef" und ja, er ist wirklich "nur" ein Freund) in einer "Erlebnis-Therme". Ich hielt es für clever, einen freien Wochentag dafür zu nutzen, denn da "ist es dann ja nicht so voll".

Das stimmte auch, allerdings waren trotzdem wieder jede Menge Sauna-Deppen unterwegs. "Sauna-Deppen" erkennt man unter anderem daran, dass sie (im Gegensatz zu Kino-Deppen und Flugzeug-Deppen) nie alleine auftreten, sondern immer im Rudel. Dabei kann es sich auch um ein kleines Rudel handeln, 2 Deppen reichen bereits, Hauptsache die Rangfolge ist klar.

Weitere Erkennungsmerkmale beispielhaft angeführt:

  • D. steht vor einem Spiegel, um seine Kontaktlinsen einzusetzen. Ein Sauna-Depp stellt sich neben ihn, blickt in den Spiegel und sagt laut: "Schöne Bilder haben die hier hängen". D. reagiert, wie man es bei Sauna-Deppen immer tun sollte, nämlich: gar nicht. Und hier erkennt man den Sauna-Deppen, denn damit kann er nicht umgehen. Man merkt, wie seine Synapsen verzweifelt versuchen, etwas Ähnliches wie Geist zu zünden, ehe er "Ich mein den Spiegel hier. Haha!" absondert

  • Ich stehe hinter der gelben Linie ("Streifen" trifft es eher), die die Raucherzone im Außenbereich markiert und rauche. Zwei noch nicht als solche geoutete Sauna-Deppen stehen neben mir. Ein durchaus attraktiver weiblicher Gast gesellt sich dazu - nicht etwa, weil sie Wärme sucht (denn die würde sie ja eher im Innenbereich finden), sondern natürlich, um ebenfalls zu rauchen. Aber so natürlich ist das für Sauna-Deppen nicht. Wenn Blicke reden könnten, wäre es längst nicht mehr so still - aber glücklicherweise fällt ihnen keine verbale Eröffnung ein. Als die junge Dame ihre Zigarette ausdrückt und wieder Richtung Saunen wandert, rutscht sie auf dem vereisten Boden aus, fängt sich aber sofort wieder. Mit einem leicht verlegenen Lächeln tippelt sie von dannen. Genau 20 Sekunden später hat einer der beiden Sauna-Deppen endlich die Erleuchtung und ruft diese laut hinaus: "Fall ruhig, ich würd dich schon auffangen!" - gefolgt von einer ebenfalls mit etlichen Sekunden verzögerten Reaktion seines Bruders im Geiste  Bademantel: "Jaha, genau. Haha!"

  • Im Ruheraum hängt ein Schild: "Verehrte Gäste: Im Interesse aller Besucher bitten wir Sie, keine Liegen zu reservieren. Danke." Ich reserviere nicht, ich liege in einem angenehm dämmerigen Zustand vor mich hin. Plötzlich dringen Stimmen zu mir durch. "Die können echt nicht lesen, Mannomann!". "Ja, aber echt, dabei steht's hier doch". "GENAU, HIER STEHT'S DOCH!". Mein dämmeriger Zustand verflüchtigt sich genau wie die Ruhe, die bis eben herrschte. Drei schon etwas ältere Saunadeppen stehen kopfschüttelnd vor besagtem Schild und deuten wehklagend mit ihren Fingern auf 3 Liegen, auf denen sich zwar Handtücher, aber nicht deren Besitzer befinden. Der Rudelführer liest das Schild noch mal laut und deutlich vor, was zu erneuten Echos seiner Begleiter führt. Ich richte meinen Blick auf ein zweites Schild, welches ca. 50 cm neben dem Ersten hängt: "Verehrte Gäste: Dieser Raum soll der Ruhe und Entspannung dienen. Bitte nehmen Sie Rücksicht auf andere Besucher." Aber ZWEI Schilder zu lesen (und vor allem zu begreifen), überfordert Sauna-Deppen

  • Keine Sauna dieser "Erlebnis-Therme" ist identisch mit den anderen. Sie unterscheiden sich in Punkto ("in Punkto" ist eine selten dämliche Formulierung, die an die Wand gehört!) Temperatur, Größe, Licht und Platzierung ihrer Öfen. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Wenn der Aufguss naht, sind sie proppevoll (auch ein doofes Wort!), denn der Aufguss ist ja im Eintrittspreis enthalten, also nutzt man ihn auch. Zu verschenken hat man ja nichts. Normalsterbliche merken es, wenn die Kapazitätsgrenze eines Raumes erreicht ist, Sauna-Deppen nicht. Ich sitze bereits schon jetzt dichter an meinen jeweiligen Sitz-Nachbarn als es mir lieb ist und starre sehnsüchtig auf die noch offene Saunatür. Bald muss der Saunameister kommen, wird die Tür schließen und sein Werk beginnen. Aber nein, zwei Sauna-Deppen erscheinen: Mit gierigen Augen belästigen sie den Raum, versuchen eine Lücke zu erspähen, etwas Holz zwischen all dem Fleisch zu finden. Natürlich gibt es keine - "voll ist voll!". Aber was nicht passend ist, wird passend gemacht und so steuern sie auf mich zu: "Hier, bei Ihnen ist noch Platz, oder?". "Nein", antworte ich (überrascht, dass sie überhaupt fragen), "sorry, aber wir sitzen hier bereits sehr beengt." "Ach was, das kriegen wir schon", antworten die sich als solche entpuppenden Sauna-Deppen neben mir und rutschen mir noch näher, so dass sich ihre speckig-glitschigen Gesäße an meinem reiben. Ein krasser Gegensatz zu allen erotischen Erlebnissen meines bisherigen Lebens
Und hier kommt mir die Idee zur "Saunadeppen-Falle": Man hängt einfach an jede Sauna ein Schild mit der Aufschrift: "Nächster Aufguss in 5 Minuten". Dann wartet man kurz und schließt die Tür von außen ab.