Dienstag, 18. Oktober 2022

Wissen statt Glauben: Omikron im Oktober 2022

Seit 11 Monaten beherrscht die Omikron-Variante nun das Corona-Geschehen, aber scheinbar ist das weder bei allen Medien noch bei allen meinen Mitmenschen angekommen. Auch im 3. Corona-Herbst liest man überall täglich Schlagzeilen und erlebt Diskussionen, die noch aus dem Herbst 2020 stammen könnten. Daher - und weil ich auch vielen Menschen gerne unbegründete Ängste mittels Fakten nehmen möchte - dieser Blogbeitrag. Alle Erkenntnisse, Zahlen und Fakten entsprechen dem Wissensstand vom 18. Oktober 2022 (etwaige spätere Mutationen oder "Killervarianten" sind hier also nicht berücksichtigt):

Wie tödlich ist Corona seit Omikron noch?
  • Im Vergleich zu Delta ist das Sterberisiko 70 bis 91% geringer.

  • Der CFR-Wert ("Case Fatality Rate" = "Fallsterblichkeit") liegt für Geimpfte bei Omikron niedriger als bei einer herkömmlichen Virusgrippe/Influenza - England meldete bereits im März 2022, dass der Anteil tödlicher Krankheitsverläufe bei Coronavirus-Infizierten kleiner war als bei der saisonalen Grippe. Diese verläuft bei etwa 0,04 Prozent der Erkrankten tödlich. Bei Covid-19 waren es 0,035 Prozent.

  • Wenn man weiß, dass die Dunkelziffer der Infektionen laut allen Expert*innen ca. 3x höher ist, ist die Todesrate (und die eines schweren Verlaufs) also sogar ca. noch 3x niedriger als offiziell verkündet. Denn schwere Erkrankungen würden ja nicht unbemerkt verlaufen, sondern praktisch immer in die Klinik führen, wo dann mittels Test die Infektion erkannt würde.

  • Mit Paxlovid steht schon seit dem 28.01.2022 ein antivirales Medikament zur Verfügung, welches das Risiko für einen schweren Verlauf, sowie das Sterberisiko massiv senkt. Es muss allerdings innerhalb von 5 Tagen nach Symtombeginn eingenommen werden. Zudem ist bekannt, dass es kurzzeitig wieder zu einem Rebound kommen kann (was auch beim US-Präsident Joe Biden der Fall war).

Man liest aber doch ständig von über 100 Corona-Toten pro Tag?


Aber sind nicht auch 50 Tote pro Tag noch sehr viel?

  • Pro Tag sterben in Deutschland ca. 2.700 Menschen. Wenn also 50 pro Tag tatsächlich an/wegen Omikron sterben, entspricht das einem Anteil von 1,9% aller Verstorbenen pro Tag. Zum Vergleich: Jeden Tag sterben ca. 200 Menschen an den Folgen ihres Alkoholmissbrauchs, 350 an den Folgen des Rauchens und 500 an den Folgen von falscher Ernährung/Fettleibigkeit - das sind zusammen 39%. Ach ja: An den Folgen von Luftverschmutzung sterben ebenfalls Zehntausende pro Jahr - konkret: ca.154 von 100.000 Einwohnern sterben vorzeitig aufgrund von verschmutzter Atemluft (bei 83 Millionen Einwohnern also ca. 350 vorzeitig Verstorbene pro Tag).


Wer stirbt noch an Corona (Omikron)?

  • Laut den Wochenberichten des RKI liegt der Altersmedian der an und mit Corona Verstorbenen bei 84 Jahren. Wie üblich wird "nicht nach Grund des Versterbens differenziert." (siehe auch das Zitat von Stefan Kluge - 2 Punkte weiter oben: Es sterben nur noch - meist ältere - Ungeimpfte und/oder Menschen mit schweren Vorerkrankungen).
    Das durchschnittliche Sterbealter in Deutschland beträgt bei Frauen übrigens 82 und bei Männern 76 Jahre. Ja, Sie haben richtig gelesen: Die an und mit Corona Verstorbenen wurden also älter als es dem bundesdeutschen Durchschnitt entspricht.

Wie krank macht Omikron noch und welchen Anteil hat Covid an Erkrankungen/Krankschreibungen in Deutschland?

Aber die Kliniken sind doch wegen Corona stark überlastet?
  • Aktuell liegen auf Deutschlands Intensivstationen 1.700 Patienten mit einem positiven PCR-Test. Das entspricht einem Anteil von 7% aller Intensivbetten. Diese Tagesschau-Grafik veranschaulicht das:






















Zum Vergleich: im Januar 2021 waren es bis zu 5.750 Corona-Intensivpatienten - also mehr als 3x so viele wie heute. Und: Diese hatten einen hohen Beatmungsanteil und sie lagen WEGEN Corona dort.

Wie sinnvoll ist es, jetzt wieder eine grundsätzliche Maskenpflicht in allen Innenräumen einzuführen?
  • Laut der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten IMMUNEBRIDGE-Studie zum Immunisierungsgrad in der Bevölkerung gegen SARS-CoV-2 haben 95% aller Deutschen mittlerweile Antikörper gegen Sars-COV2 - sei es durch Impfungen, Infektionen oder beides.

    Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger kommentierte am 13.10.2022 dazu:
    "Mit Blick auf den Entscheidungsspielraum der Länder heißt das: Sie müssen nur dann auf zusätzliche Schutzmaßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz zurückgreifen, falls sich eine neue, gefährlichere Variante durchsetzen sollte."

    IMMUNEBRIDGE-Sprecher Prof. Dr. Hendrik Streeck, Institut für Virologie, Universitätsklinik Bonn, ergänzt:
    „95 Prozent der Bürgerinnen und Bürger hierzulande haben inzwischen eine Grundimmunität entwickelt. Dies bedeutet in der Pandemie-Bekämpfung, dass Infektionszahlen nicht mehr in erster Linie ausschlaggebend sind, sondern wie viele Patienten im Krankenhaus ‚wegen‘ Corona behandelt werden. Die Daten zeigen aber auch, dass wir eine deutliche Immunitätslücke in den Risikogruppen haben und das Impfkampagnen bei über 70-Jährigen dringend notwendig sind."
     
  • In allen 26 anderen EU-Ländern existiert (zum Großteil bereits seit März 2022) keine Maskenpflicht mehr in Innenräumen. Die Niederlande hatten noch am 12. Februar 2022 eine Inzidenz von sage und schreibe 5.108. Am 23. März lag sie immer noch bei 1.805, trotzdem wurden dort an diesem Tag sämtliche Maßnahmen (inkl. der Maskenpflicht in Innenräumen) aufgehoben. Übrigens bei einer schlechteren Impfquote als Deutschland. Und was passierte seitdem? Die Inzidenzen sanken dort kontinuierlich und lagen meist 2-stellig (aktuell bei 132). Auf den Intensivstationen lagen im März noch 160 und seitdem immer zwischen 20-50 Patienten wegen/mit Corona. Offensichtlich ebbte die Welle dort ohne jegliche Maskenpflicht von selbst ab.

  • Ein deutscher "Feldversuch" aus der Praxis: Als einzige Bundesländer behielten Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern die Maskenpflicht bei, als sie im übrigen Bundesgebiet zum 2. April 2022 wegfiel. Auf die Inzidenzen hatte das überhaupt keine messbare Auswirkung.

  • Ein weiterer Feldversuch war die diesjährige sogenannte "Sommerwelle" in Deutschland: Sie ebbte ohne weitere Maßnahmen ab (und nein, das lag nicht etwa am Wetter, sie hatte sich ja trotz des heißen Wetters erst im Sommer auf- und dann wieder abgebaut) - von 740 am 15. Juli auf 215 am 4. September.

  • Und Einen erleben wir gerade Live: Die "Herbstwelle", die sich (ebenfalls ganz von selbst) soeben wieder abbaut: Von einer 884-Inzidenz am 12. Oktober auf 688 am 18. Oktober (Rückgang um gut 22% in 6 Tagen). Der "R-Wert" sank ebenfalls konstant von 1,35 am 26. September auf 0,85 heute/18. Oktober - ein Rückgang um 37%. Es ist mir daher unverständlich, warum unsere Medien nicht viel stärker betonen, dass sich die Corona-Wellen auch ohne Maskenpflicht von selbst erledigen.

    Ergänzung vom 02.11.2022: Die Inzidenz ist mittlerweile auf 279 gesunken, der R-Wert auf 0,70. Eine Grafik von ZEIT-Online zeigt den Wellenverlauf seit Aufhebung der Maskenpflicht (rechts unten) sehr deutlich. Alle Wellen flachten ohne weitere Maßnahmen immer von selbst ab:

















  • Auf der Webseite "Corona in Zahlen" kann man das auch für zig weitere EU-Länder beobachten, die alle ihre Maßnahmen aufhoben. Länder wie Spanien, Portugal, Frankreich, Dänemark (von Schweden ganz zu schweigen) Niederlande und die Schweiz betrachten Corona längst als einen normalen grippalen Infekt, der zum Lebensrisiko dazugehört und behandeln ihre Einwohner daher als mündige Bürger, die selbst entscheiden dürfen, wann, wo und wie oft sie Masken tragen und sich boostern lassen wollen. Dort wird auch schon seit Monaten nicht mehr auf Inzidenzen geschaut. Sie werden Schwierigkeiten haben, die tagesaktuellen Zahlen auf den Webseiten der dortigen größten Medien zu finden. Nur Deutschland meldet sie noch täglich in den Schlagzeilen. In den anderen EU-Ländern konzentriert man sich auf die Hospitalisierungen - und unterscheidet dabei ebenfalls deutlich, wer wegen oder mit Corona eingeliefert wurde.

  • Laut Virologen wie Drosten und Streeck geht es zudem ja schon lange nicht mehr darum, jede Infektion zu vermeiden. Maskenpflicht ist immer dann sinnvoll, wenn man eine drohende Pandemie verhindern/eindämmen will - vor allem, wenn sie lebensbedrohlich für alle ist (niemand würde am Sinn einer Maskenpflicht bei Ebola zweifeln). Das ist bei Corona offensichtlich weder mehr nötig (siehe alle Ausführungen oben) noch möglich (auch wenn China das noch anders sieht und an seiner menschenverachtenden 0-Covid-Politik festhält).
    Laut allen Expert*innen wird SARS-CoV-2 nie wieder verschwinden - genauso wenig wie alle anderen Coronaviren vorher, die längst endemisch sind und zusammen mit Influenza-, Rhino- oder Adenoviren immer wieder für grippale Infekte bzw. Virusgruppen sorgen werden. Wenn man sich selbst schützen will, weil man vorerkrankt/gefährdet ist oder einfach grundsätzlich eine Infektion vermeiden will, kann und soll man das (möglichst mit einer FFP2- oder gar FFP3-Maske) tun.
 
Wie ist die Lage bei Long-Covid (bzw. Post-Covid)?